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Annalenas allergrößter Weihnachtswusch

* Liebe Leserinnen, liebe Leser *

Die kleine Annalena ist genau das, was man allgemein hin als ein sehr aufgewecktes Kind bezeichnet. Darüber hinaus, dass sie schon fließend bis 10 zählen und viele Buchstaben des ABC bereits schreiben kann, verfügt sie über ein sehr fein und tief ausgeprägtes Interesse für die Menschen und auch für die Natur.

Im Herbst war sie – aus ihrer persönlichen Sicht endlich – sechs Jahre alt geworden und freute sich seitdem riesig darauf, im kommenden Jahr ein Schulkind zu werden.

Niemand in der Familie kann sich das künstlerische Talent erklären, aber die kleine Annalena ist eine begeisterte Malerin. Beinahe jeden Tag malt sie viele Bilder.

Jedoch in der letzten Novemberwoche malte sie jeden Abend an ein und demselben Bild. Ihre Mutter war darüber sehr verwundert, denn die kleine Annalena hatte noch nie zuvor soviel Ausdauer für eines ihrer kleinen Kunstwerke an den Tag gelegt.

Nach dem vierten Abend, an dem sie mit diesem einen Bild beschäftigt war, fragte ihre Mutter sie, was es denn Schönes sei, was sie dort malte.

Annalenas Mutter gab sich viel Mühe, das kleine Kunstwerk zu interpretieren, aber sie konnte nur farbenfrohe Striche und Kreise erkennen. Allerdings musste sie zugeben, dass es sehr schöne Kreise und Striche waren.

“Ach, Mama! Das kann ich Dir leider nicht sagen, denn das hier ist mein Brief an den Weihnachtsmann und schließlich gibt es ja das Briefgeheimnis!

Dieses Bild zeigt meinen allergrößten Wunsch und ich bin ganz, ganz sicher, dass der Weihnachtsmann mir diesen Wunsch erfüllen wird!”

Am Ende der Woche war das Bild bzw. der Brief für den Weihnachtsmann endlich fertig und die kleine Annalena legte es auf die Fensterbank, damit der Weihnachtsmann es dort abholen konnte.

Der Mutter war mittlerweile etwas mulmig zumute.

Sie hatte die kleine Annalena noch etliche Male beinahe gelöchert und versucht herauszufinden, was denn nun ihr größter Wunsch sei, jedoch die kleine Annalena antwortete jedes Mal nur, dass der Weihnachtsmann ganz sicher Bescheid wüsste.

Die Mutter war regelrecht ratlos und wusste nicht, was sie tun sollte. Es würde ihr förmlich das Herz brechen, wenn sie den sehnlichsten Weihnachtswunsch ihrer Tochter nicht erfüllen könnte. In ihrer Ratlosigkeit zeigte sie die Zeichnung mit den Kreisen und den Strichen allen Verwandten, Freunden und Bekannten, die sie traf.

“Das ist ganz klar eine Lokomotive!”,

sagte der Vater der kleinen Annalena voller Überzeugung.

“Das Kind wünscht sich ganz sicher eine Puppe!”, meinte die Großmutter der kleinen Annalena und war sich absolut sicher, es richtig erkannt zu haben.

“Ich erkenne auf dem Bild einen Teddybär”, war sich die Nachbarin völlig sicher.

“Das ist doch mit großer Sicherheit ein Kaufmannsladen”, meinte der Postbote.

Die Mutter der kleinen Annalena war der Verzweiflung wirklich nahe. Sie kratzte im wahrsten Sinne des Wortes all ihr Erspartes zusammen und kaufte davon eine Lokomotive, eine Puppe, einen Teddybär und einen Kaufmannsladen.

Und ihre ganze Hoffnung lag darin, dass das richtige Geschenk mit dabei war.

Am Heiligen Abend legte die Mutter dann alle Geschenke unter den Weihnachtsbaum. Es war alles in allem nur allzu hübsch anzuschauen.

Sie stellte auch noch einen Adventsteller mit Plätzchen und Zuckerstangen auf den Wohnzimmertisch, zündete ein paar Kerzen an und dann läutete sie das Glöckchen, wie es in der Familie seit Generationen Brauch war.

Der herrliche Klang dieses Glöckchens war das Zeichen dafür, dass die kleine Annalena nun ins Wohnzimmer kommen durfte.

Im weihnachtlich dekorierten Wohnzimmer eingetroffen, blickte sich die kleine Annalena um und strahlte wie ein Honigkuchenpferd über beide Wangen.

“Siehst Du, Mama?, ich hab Dir doch immer wieder gesagt, dass der Weihnachtsmann ganz sicher weiß, was ich mir wünsche.”

Der Mutter fiel regelrecht ein Stein vom Herzen.

Völlig überrascht war sie jedoch darüber, dass die kleine Annalena nicht zum Weihnachtsbaum und den Geschenken lief, sondern sich zu dem Adventsteller auf dem Wohnzimmertisch setzte und strahlte und strahlte und strahlte.

 

 

 

 

 

 

 

“Mama, gibt es etwas Schöneres als Plätzchen und Zuckerstangen?”, fragte die kleine Annalena mit ihren herrlich strahlenden Kinderaugen.

Ihre Mutter musste unwillkürlich schmunzeln und selbstverständlich durfte Klein Annalena an diesem Abend so viel Kekse, Plätzchen und Zuckerstangen genießen, wie sie nur schaffte, ohne dass es ihr übel wurde.

Tja, und was ist die Moral von dieser Geschichte?

Es kommt ganz sicher überhaupt nicht auf die Größe eines Geschenkes an oder ob es besonders viel Geld gekostet hat, sondern ganz einfach darauf Kreise und Striche auf einem selbstgemalten Kinderbild mit etwas mehr Fantasie richtig zu interpretieren.

Wie auch immer Ihr Euch fühlt und wo auch immer Ihr seid,

ich wünsche Euch eine gesunde & fröhliche Vorweihnachtszeit.

Euer „alter“ Mann

Werner Michael Heus

 

 

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